Rumänische
Kammermusikabende
in Berlin, 2008
KOMPONISTEN / DIE WERKE

GEORGE ENESCU
MYRIAM MARBE
ANATOL VIERU
PASCAL BENTOIU
DAN DEDIU
ANTONIN (LEOPOLD) DVOŘÁK
JOHANNES BRAHMS
GABRIEL (URBAIN) FAURÉ

GEORGE ENESCU (1881-1955) – wurde in Liveni, Rumänien, geboren. Im Alter von nur 7 Jahren war er Student in der Violinklasse der Wiener Musikhochschule; von dort begab er sich nach Paris, wo er von 1895 bis 1899 am Conservatoire National, geleitet von Gabriel Fauré, Komposition studierte. Schon seit 1892 wurde er durch eine spektakuläre Interpretenkarriere berühmt, zu erst als Geiger (er spielte bis 1950), dann als Dirigent (das Debüt im Jahre 1898 am Pult der Bukarester Philharmonie), aber nicht zuletzt auch als Pianist, im Zusammenspiel mit berühmten Musikern seiner Zeit, unter anderen Jacques Thibaud oder Pablo Casals. Man schätzte ihn auch als einen der bedeutendsten Pädagogen seiner Zeit; er unterrichtete an der École Normale Paris, aber auch an der Accademia Chigiana Siena, Italien, oder an dem Amerikanischen Konservatorium in Fontainbleau, Frankreich, und danach, nach seiner Niederlassung im Ausland, an den Universitäten Illinois und Cambridge-Massachusets, USA. Schon seit seinen jungen Jahren von der königlichen Familie unterstützt, oft in das Schloss Peleş aus Sinaia eingeladen, wo er im Beisein der Königin Elisabeth (ihr Pseudonym als Dichterin war Carmen Sylva) spielte (er verfasste sogar Lieder auf Verse ihrer Gedichte), hat er ständig an dem musikalischen Leben seines Heimatlandes mitgewirkt, wobei er regelmäßig zurückkam, entweder um zu konzertieren (während des Ersten Weltkrieges hielt er sich ständig in Rumänien auf, wo er einerseits in den Krankenhäusern für die Verwundeten spielte, andererseits eine regelrechte Konzert- und Spielsaison in Jassy, in der Moldau, organisierte, wo sich viele Bukarester Künstler zurückgezogen hatten). Im Jahre 1920 gründete er die Gesellschaft der Rumänischen Komponisten, deren Vorsitz er über die Jahre innehatte. Den Enescu-Preis verlieh er zwischen 1913 und 1946 an junge rumänische Komponisten. Als Solist sowohl in Europa als auch in den USA gefeiert, als einer der wichtigsten Komponisten der ersten Hälfte des XX. Jahrhunderts angesehen, erfreute er sich der Uraufführung seiner Werke entweder in Paris (angefangen mit Opus 1 - Poema romana – gespielt von dem berühmten Orchester Colonne, dirigiert von Eduard Colonne, dann, 1936, Oedip in der Opéra National de Paris, oder 1911, in den USA, wo Gustav Mahler in New York, als Uraufführung in Amerika, die Erste Suite dirigiert hat – eigentlich das erste Werk Enescus, das auf dem Neuen Kontinent gespielt wurde). Die allgemeine Anerkennung schlug sich auch in Prämien, Titeln und Medaillen nieder, angefangen mit dem Preis für Komposition „Pleyel“ – Paris (1903), der Ernennung zum Offizier und Kavalier der Ehrengarde (1913, 1936), zum Ehrenmitglied und dann zum aktiven Mitglied der Rumänischen Akademie, zum korrespondierenden Mitglied der Academie de Beaux Artes - Paris (1929), der Accademia Santa Cecilia (1931), der Kunst- und Wissenschaftsakademie Prag (1937), bis zu der Verleihung des Plattenpreises der Zeitschrift “Candide”- Paris (1933), des Marokkanischen Militärsordens – Kommandorkravatte (1936) etc. Über sein Leben und Werk sprach Enescu viel in den Bernard Gavoty gewährten Interviews, die von Radio-France gesendet und anschließend in einem Band herausgegeben wurden. Enescu starb am 5. Mai 1955 in Paris, und drei Jahre später wurde das Internationale Festival “George Enescu” in Bukarest ins Leben gerufen, in Andenken an den wichtigsten rumänischen Musiker.

Sonate für Klavier und Violine Nr. 3 a-Moll im rumänischen VolksstilI, op. 25 – ist in einem besonderen
Stil komponiert und für beide Instrumente gleichermaßen durch eine extreme Virtuosität anspruchsvoll (die Angabe “für Klavier und Violine” unterstreicht die gleiche Bedeutung der beiden Instrumente). Die Sonate ist oft von der Musikantenkunst inspiriert, überrascht durch die Verwendung von Viertelnoten, hat aber gleichzeitig auch eine gewisse Tragik, wobei sich die lyrischen, beschwörenden Töne zu höchstdramatischen Akzenten verwandeln. Diese Sonate bleibt einzigartig in Enescus Werk; sie hinterläßt den Eindruck einer ständigen Improvisation, auch wenn sie rigoros aufgebaut ist, jedoch ohne eine klassische Form zu befolgen. Der erste Teil, in Sonatenform, scheint der rhapsodischen Weise näher zu kommen, in der die Volksliedabschnitte mit Tanzsequenzen abwechseln, als wären sie voneinander abgeleitet. Im langsamen Teil hebt sich das erste Thema hervor, vorgetragen von der Violine, in Flageolette-Tönen, mit dem diskreten Klang des Klaviers im Hintergrund, um dann mit einer unerwarteten “Explosion” der Violine, in höchsten Tönen, fortzusetzen, wobei das Klavier in beeindruckendem Ton fortfährt. Aber auch im finalen Rondo verwandelt sich die Andeutung von Humor Schritt für Schritt in einen neuen, verzweifelten “Schrei” der Violine, vor dem Hintergrund eines schwermütigen Pedaltons, der vom Klavier über 36 Takte fortgeführt wird. Hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass der Komponist dieses Werk auf beiden Instrumenten gespielt hat, in der Begleitung berühmter Musiker seiner Zeit; bei der Uraufführung, die in Oradea/ Großwardein im Jahre 1927 stattfand, spielte Enescu Violine und Nicolae Caravia Klavier. Es war das Jahr, als der Musiker den Unterricht mit dem jungen Yehudi Menuhin aufnahm (in Paris, in der Rue de Clichy 26) – der Geiger sollte später die Sonate auf
allen großen Bühnen der Welt spielen.

Sonate für Cello und Klavier Nr. 2 C-Dur, op. 26 – diese Sonate ist im selben Opus zu finden, neben der ersten Sonate, die er mit nur 17 Jahren komponiert hatte. Die Sonate behält den Wienerischen Geist, auch wenn der Komponist zur Zeit ihrer Verfassung schon in Paris lebte, und schon 53 Jahre alt war. Sie erfuhr die Uraufführung im Jahre 1899 in der Sale Erard und wurde Pablo Casals gewidmet (der sie aber nie spielte, auch wenn er die Sonate Nr. 1 zusammen mit dem Komponisten im Jahre 1907 gespielt hatte). Diese Sonate, ein Werk des reifen Komponisten, im Jahre 1936 in der Ecole Normale Paris uraufgeführt (der Komponist selbst am Klavier, Diran Alexianian am Cello), zeigt, durch ihren Aufbau, dass sich der Autor in der deutschen Komponistenschule gebildet hatte, jedoch mit einer prägnanten, typisch französischen Raffiniertheit, mit impressionistisch gefärbten Subtilitäten in Harmonie und Ton, aber im Rahmen einer klaren und ausgewogenen Architektur. Der erste Satz ist wärmegeladen, mit “liniaren” Themen, in einer warmen Atmosphäre, im starken Kontrast zum zweiten Satz, der geprägt ist von einer tiefen Unruhe und einem “nervösen” Rhythmus; die Ruhe und der Seelenfriede kehren jedoch gegen Ende zurück, durch eine Solo- Kantilene des Cellos, zu dem sich auch das Klavier in dem Abschnitt “a la roumaine” gesellt, der seinerseits an die 3. Sonate für Klavier und Violine erinnert, angesichts der volkstümlichen Elemente – vielleicht mit dem charakteristischen Humor seiner Heimatgegend, der Moldau – wobei aber trotzdem die Meditation und die Verinnerlichung dominant bleiben, auch durch den meistens tiefen Klang des Cellos unterstrichen.

Sonate Torso für Violine und Klavier a-Moll – komponiert im Oktober 1911, in Cracalia; es ist Enescus erster Versuch, sich in einer folklorischer Manier in einem Stück für die beiden Instrumente auszudrücken. Es machen sich Elemente bemerkbar, die sowohl an die 2. Sonate erinnern, als auch auf die Stimmungen der 3. Sonate vorausschauen lassen, mit volksliedartigen Suggestionen, die sich in der Färbung widerspiegeln, jedoch mit romantisch und impressionistisch schattierten Passagen. Und trotzdem – die Einheit ist durch den enescuischen Charakter verliehen, in dem der Pathos des Ausdruckes mit melancholischen oder nostalgischen Traumsequenzen alterniert. Es war jedoch eine ziemlich unsichere Zeit in stilistischer Hinsicht und viele begonnene Werke dieser Zeit wurden nicht zu Ende geführt. Aber obwohl das Werk unvollendet ist, zeigt der erste Teil das Ende im Detail, wobei für die restlichen Sequenzen nur Skizzen vorliegen. Es war ein Jahr mit vielen Bedeutungen für den Schöpfer, der seine Symphonie im Amsterdamer Concertgebouw dirigierte; im selben Jahr nahm Mahler Enescus I. Suite in das Programm der von ihm geleiteten New Yorker Philharmonie auf.

Konzertstück für Bratsche und Klavier - komponiert im November 1906; gehört zu den Werken mit didaktischem Charakter, die für die Aufnahmeprüfung am Conservatoire Paris Pflicht waren, und von diesem Institut dem Komponisten in Auftrag gegeben wurden. In diesem Kontext hat er auch Werke für Flöte, Trompete und Harfe geschrieben. Und trotzdem, außer der Tatsache, dass das „Konzertstück“ hohe technische Fähigkeiten und hervorragende Interpretationsbegabung voraussetzt, erobert es uns durch die elegante Linie und die großzügige Phrase, wobei die Sonatenform die Genauigkeit der Form sicherstellt und sich die rhythmisch- harmonische Klarheit in dem Solopart wiederfindet, dessen Schönheit durch die Sensibilität des Ausdrucks unterstrichen wird und somit die Grenzen eines „Studienwerkes“ sprengt, vor dem Hintergrund einer diskreten Klavierbegleitung. Aus diesen Gründen ist dieses Stück Bestandteil des Repertoires vieler Geiger. Es war eine besondere Glanzzeit für den Musiker, dessen „Dixtuor“ seine Uraufführung in Paris erfuhr, und dessen I. Simfonie im Pariser Theatre Chatelet, unter der Leitung von Edouard Colonne, gefeiert wurde. Der Letztere hat Enescu anschließend eingeladen, mit Richard Strauss dessen letzte Sonate für Violine und Klavier zu spielen, um später, wieder als Geiger, das Konzert von Beethoven zusammen mit dem Lamoureux Orchestra, dirigiert von Felix Weingartner, zu spielen.


MYRIAM MARBE (1931-1997) - wurde in Bukarest, Rumänien, geboren und hat die Musikhochschule aus der Heimatstadt absolviert, an der sie später auch eine Professur bekam. Ihr Werk ist von originellen Stücken
charakterisiert, für die sie den Preis des Verbandes der Rumänischen Komponisten erhielt, den “Bernier-Preis” der Academie de Beaux Artes - Paris (1972), den I. Preis “Gedok” in Mannheim (1976), den Heidelberger Künstlerinnenpreis (1987) und ein Stipendium im Jahre 1989. Sie hat zahlreiche Werke in unterschiedlichem Stil komponiert, angefangen von Musik für das Theater und bis zur vokal-symphonischen Musik, von Orchester- bis zu Kammermusikwerken – wobei sich die Faszination für besondere Instrumente wie das Cembalo oder das Glockenspiel, aber auch für Blasinstrumente, in verschiedenen Kombinationen, erkennen läßt – aber auch Orgelwerke, Choralwerke zu japanischen Versen, Haikus, Vokalminiaturen, die zum Teil im Ausland verlegt wurden. Die stetige Suche nach dem Neuen findet sich in mehreren Elementen wieder: in der Entfaltungsart, ausgehend von einem Ton, die Verwendung des “Grundtons”, der Kontrastebenen zwischen dem strengen Aufbau und dem Gefühl der Improvisation, wobei das Wort eine besondere Bedeutung erhält, da die Stimme auch in gesprochenen Sequenzen oder in einem Votrag verwendet wird (das Chorstück Ritual für den Durst der Erde bildet in dieser Hinsicht einen Bezugspunkt). Ein Teil der Werke weist graphische Zeichen auf, in anderen hat sie auf vorbereitete Glocken zurückgegriffen (versehen mit Kettchen, Nadeln, Metallröhrchen), die Saiten mit Fingerhüten berührt, aber auch den Ton des Klopfbrettes oder die Stereophonie, die auf die folklorischen Archetypen zurückgeht. Sie hat in gleichem Maße serielle, dodekaphonische, elektronische und zufallsgenerierte Technik verwendet, und hat viel mehr Freiheit jenen Interpreten gegeben, die bis zu drei Hilfstonquellen verwenden. Im Bereich der Musikwissenschaft hat sie Studien veröffentlicht und an der Enescu-Monographie mitgewirkt, die von der Rumänischen Akademie, unter der Leitung von Mircea Voicana, herausgegeben wurde.

  “Ariel”, die Sonate für Violoncello von Myriam Marbe, wurde 1997 auf Auftrag eines jüdischen Musikfestival aus Maastricht komponiert. Bei dieser Gelegenheit wurde sie von Mirel Iancovici uraufgeführt, dem Widmungsempfänger des Werkes. Die Komponistin verwendet musikalische Quellen aus alten biblischen Gesängen, Musikmodi und –skala die in dem Vortrag verschiedener Kapitel des Alten Testaments und mancher Gebete verwendet werden. Die Komposition basiert auf einer thematischen Abfolge, die von variationellen Kommentaren in ruhiger Abwicklung, vergangene Zeiten aufbeschwörend, abgelöst werden. Der Titel selbst ist einer der unzähligen Namen, die in der Bibel für die heilige Stadt Jerusalem verwendet werden – er bedeutet “Gott ist ein Löwe”.


ANATOL VIERU - wurde in Ia[i, Rumänien, geboren und hat an der Musikhochschule Bukarest studiert; ein Jahr später erhielt er den “George Enescu”-Preis für Komposition von dem berühmten Komponisten selbst. Im Jahre 1951 meldete er sich am Tschaikowski Konservatorium in Moskau an, und 1962 erhielt sein erstes Konzert für Cello und Orchester in Genf den “Königin Marie-José”-Preis; die Uraufführung fand in Bukarest, unter der Leitung des berühmten Zubin Mehta, Solist Vladimir Orlov, statt. Seitdem wurde es von mehr als 40 Interpreten gespielt, u.a. Natalia Gutman, Ivan Monighetti, Cătălin Ilea, Mirel Iancovici. Anschließend hat er folgende Werke komponiert: Nachtszenen (cor a cappella, Texte von Garcia Lorca), Ode an das Schweigen (für das große Orchester), Steps of Silence (Quartett für Streichinstrumente und Schlagzeug, ausgezeichnet mit dem “Serge Koussevitzky”- Preis), Die Sanduhr (für Orchester, als Auftrag von den Donaueschinger Musiktagen), Die Leinwand (dirigiert von Bruno Maderna), Le Crible d’Eratosthène (für Klavier, Streichtrio und Klarinette), Doppelkonzert für Violine, Cello und Orchester (Uraufführung in Moskau, mit Leonid Kagan und Natalia Gutman, Dirigent Kakhidze), Die konzertierende Symphonie (für Cello und Orchester), Sinfonietta, Gedenkstätte (für das Orchester), Opern – Jona (Kammeroper), Die Mahlzeit der Bettler (von Ceau[escu wegen des Librettos verboten, aber in Berlin in Szene gesetzt) und Die letzten Tage, die letzten Stunden (mit zwei parallel verlaufenden Handelsebenen, über Mozart, Salieri und Puschkin, nach Puschkin und Bulgakow), Kammermusik für alle instrumentalen Zusammensetzungen. Im Jahre 1972 hat er ein DAAD Stipendium in Berlin erhalten, wo er die 2. Symphonie vollendete (die konsonantisch geprägte, aber atonale Sprache hat eine gewisse Fassungslosigkeit hervorgerufen). Ab 1967 wurde er für Vorträge nach Darmstadt, Deutschland, eingeladen, und in den 90er Jahren hat er Konferenzen an der Universität New York gehalten, wo er composer-in-residence war. In dem Buch der Modi hat er ein modales Denksystem dargelegt, das “universell” sein soll, solange es kein stilistisches parti-pris kennt. Mehreren Komponisten geben Einflüsse von Vieru zu, unter ihnen Alfred Schnittke. Die 6. Symphonie, vor kurzem von Ghenadi Rojdestvenski aufgeführt, wird als eines der “wichtigen Nachkriegswerke” betrachtet. Berlin erhalten, wo er die 2. Symphonie vollendete (die konsonantisch geprägte, aber atonale Sprache hat eine gewisse Fassungslosigkeit hervorgerufen). Ab 1967 wurde er für Vorträge nach Darmstadt, Deutschland, eingeladen, und in den 90er Jahren hat Konferenzen an der Universität New York gehalten, wo er composer-in-residence war. In dem Buch der Modi hat er ein modales Denksystem dargelegt, das “universell” sein soll, solange es kein stilistisches parti-pris kennt. Einflüsse von Vieru werden von mehreren Komponisten angegeben, unter ihnen Alfred Schnittke. Die 6. Symphonie, vor kurzem von Ghenadi Rojdestvenski geleitet, wird als eine der “wichtigen Nachkriegswerke” betrachtet.


PASCAL BENTOIU - ist in Bukarest, im Jahre 1927 geboren und hat Komposition mit Mihail Jora studiert.
Schon in seiner Jugend wurde er als einer der bedeutendsten Komponisten anerkannt und erhielt in der Folge zahlreiche Auszeichnungen: Den Staatspreis (1964), den Internationalen Preis “Italia” des RAI Roma (1968), den Orden Kultureller Verdienst - III Klasse (1969, 1971), den Internationalen Preis “Guido Valcarenghi” - Rom (1970), den Preis der Rumänischen Akademie (1974), Prämien des Vereins der Rumänischen Komponisten. Schon in den 50er Jahren hat er Musik für Theateraufführungen komponiert, für Schauspiele von Alecsandri, Hasek, Molière, aber insbesondere für Shakespeare. Später zog ihn die Oper an und er komponierte Opern ausgehend von berühmten Schauspielen der letztgenannten großen Dramatiker, nämlich Die Liebe als Arzt und Hamlet (letztere wurde in Frankreich in der Regie von Margarita Wallmann uraufgeführt), aber er verfasste auch die erste rumänische Rundfunkoper – Iphigenies Oper. Eine wichtige Rolle kommt den 8 Symphonien zu, der Kammermusik, der Liederreihe nach Dichtungen von Şt. O. Iosif, Mihail Eminescu, Mihai Beniuc, George Topârceanu, Alexandru Miran. Als guter Kenner von Enescus Werk hat er dessen 4. und 5. Symphonie vollendet, die der Schöpfer zum Teil nur skizziert hatte; außerdem hat er ein analytisches Werk, Enescus Meisterwerke, herausgegeben und an vielen Radiosendungen teilgenommen, in denen er Enescus Meisterwerke vorgestellt hat. Während seiner Forschungstätigkeit am Institut für Ethnomusikologie hat er auch zahlreiche Fachstudien verfasst. Als Musiker und Denker wurde er für seine hohen Ansprüche und Genauigkeit anerkannt, die sich in allen seinen minuziös ausgearbeiteten Werken widerspiegelten. Seine Symphonien oder Quartette hat er in Bezug zu großen existenziellen Gedanken gestellt oder sie mit einer explosiven Leuchtkraft versehen, wobei er in den letzten drei Symphonien versucht hat, Bilder in Musik umzusetzen, so dass eine besondere Färbung entsteht, ständig geprägt von seiner Vorliebe für Enescu - aber die Melodie bleibt vorrangig, die Klangfarbe hat eine ganz besondere Bedeutung, mit Einflüssen sowohl aus dem Jazz, als auch aus der Folklore.

Ciclul Eminesciana II (1958) gibt die Musik zu Liebessonetten, vom Dichter selbst in dieser Folge verbunden. Es herrscht eine romantische Stimmung, und die Gemütszustände zeigen Nostalgie, Bedauern und Trauer um die unwiederbringliche Zeit. Die Sonettform erlaubt es dem Musiker frei aufzubauen. Die drei Gedichte, voneinander durch Klavierinterludien getrennt, bilden ein einziges, großes Stück.


DAN DEDIU – Dan Dediu wurde in Brăila, Rumänien, im Jahre 1967 geboren. Er hat den Abschluss am Bukarester Konservatorium gemacht, hat das Herder- und das Alban Berg- Stipendium erhalten und seine Kunst am Wiener Konservatorium vollendet. Gleichzeitig hat er an der Wiener Universität auch Philosophie studiert, und 1994 besuchte er einen IT-Fortbildungskurs bei IRCAM – Paris. Der promovierte Musikwissenschaftler, Professor an der Nationalen Musikuniversität Bukarest, dessen Rektor er 2008 wurde, war wiederholt Leiter der Bukarester Festspiele “Woche der Neuen Musik”, wo er auch als Pianist auftrat. Er war auch Gastprofessor an der Queen’s University aus Belfast, Irland. Seine Werke waren Preisträger auf vielen internationalen Wettbewerben (Budapest, Wien, Dresden, Hannover etc.) und erhielten auch den Preis der Rumänischen Akademie und den Preis des Veriens der Komponisten (1992, 1993, 1995, 1998). Sein Werk umfasst sehr verschiedene Stücke, nämlich Kammeropern (¬¬Postfiktion oder Münchhausen), symphonische, Konzert-, Kammer-, Vokal- und Choralwerke; darüber hinaus hat er auch mehrere Beiträge zur Musikwissenschaft veröffentlicht.

Das Trio für Violine, Bratsche und Klavier Latebrae wurde im Jahre 1999 komponiert und 2001 erhielt es den Preis der Gesellschaft der Rumänischen Komponisten und Musikwissenschaftler. Das Trio wurde von dem Buch Augustins De Magistro VIII, 21 angeregt und deutet einen geheimen Ort an. Die drei Sätze haben eine charakteristische Ausdruckskraft, mit Verwendung des üblichen Materials – Stufen, Akkorde, Meloldien. Es sind drei versteckte Universen, die zusammen vorgestellt werden: Die pulsierende Balkanwelt, roh (erster Satz), dann ein zartes und prekäres Wesen in Lichtstrahlen und Schatten wiedergefunden (zweiter Satz), und am Ende, mit der Energie des “makabren Tanzes”, inspiriert aus dem typisch rumänischen Aksak-Rhythmus, der unruhige und fast ironische unterirdische “Todestanz”. Dieses Stück, wie auch andere Werke des Autors, zeichnet sich durch eine gewisse Musikalität aus, durch klare Züge, mit einer Komplexität die sie auch einem weniger spezialisierten Publikum zugänglich und verständlich macht.


ANTONIN (LEOPOLD) DVOŘÁK (1841-1904) - tschechischer Komponist, bedeutender Vertreter der nationalen Schule. Er läßt Melodie- und Rhythmuselemente aus der Folklore in sein Werk einfließen, wobei sich spezifische Tänze, wie zum Beispiel furiant oder dumky, oft in seinem Werk wiederfinden. Andererseits, da er in Amerika unterrichtete (und Direktor des Nationalen Konservatoriums aus New York in der Zeitspanne 1892-1894 war), widerspiegelt die in dieser Zeit komponierte Musik Einflüsse aus den in der Gegend so beliebten Gesänge, und vor allem aus dem Jazz. Diese Einflüsse findet man in vielen seiner Werke wieder, wobei die 9. Symphonie Aus der Neuen Welt den Höhepunkt bildet. Interessant ist gleichzeitig die stetige Sehnsucht nach der Heimat, die ihm viele Seiten, die an die Strukturen der tschechischen Musik erinnern, eingeflößt haben – in einer einmaligen Kombination, jedoch ohne eklektisch zu sein. Außer den Symphonien hat Dvořák auch ein Konzert für Klavier komponiert, eines für Cello und eines für Violine, dazu Serenaden, Slawische Tänze, Rhapsodien, ein Requiem, Kantaten, Oratorien, Kammermusik für Ensembles, aber auch Sonaten, Klavier- oder Orgelwerke, wie auch Opern, von denen die Rusalka am bekanntesten ist. Trio für Klavier, Violine und Violoncello e-Moll, op. 90 Dumky - im Jahre 1891 komponiert, stellt es, eigentlich, eine Reihe von sechs bezaubernden und glänzenden Tänzen in der Dumka-Form dar (diese Form ist eine Schöpfung Dvořáks, ausgehend von den charakterstischen Wurzeln der ukrainischen Tänze). Man geht davon aus, dass er sie als Einheit entworfen hat und vielleicht sogar in Sonatenform, weil die ersten drei Dumky eine Uvertüre bilden könnten, die folgenden ein Andante und ein Scherzo, und der letzte Tanz ein Rondo sein könnte. Das Werk interessiert aber vor allem dank der Einfachheit, im Zusammenspiel mit der meisterhaften Aufsetzung, die den Eindruck einer bezaubernden Spontaneität hinterläßt; das Cello bleibt ständig im Vordergrund, vielleicht auch, weil das Rondo g-Moll op. 94 aus der gleichen Zeit stammt; in dem Letzteren ist ebenfalls das Cello der “Star”, später komponierte Dvořák dann das Konzert für Cello und Orchester.


JOHANNES  BRAHMS (1897-1933)  geboren in Hamburg, Deutschland.
Er wird als klassisch-romantischer Komponist eingestuft, da er sich für das Beibehalten der klassischen Formen und das Vermeiden der oftmals schockierenden Ausschweifungen, und der von seinen Zeitgenossen vorgeschlagenen Freiheiten einsetzte. Sein Werk wird durch eine gewisse Ernsthaftigkeit und Tiefe charakterisiert, jedoch im Zusammenspiel mit monumentalen Zügen und gegensätzlichen Ebenen, die eine der Zeit spezifische Dramatik und Poesie aufweisen. Da er der Ansicht war, dass Beethoven für das Genre der Symphonie alles zum Besten gegeben hatte, wagte er sich nur in späteren Jahren an dieses Genre, indem er 4 Symphonien komponierte, hinzu kamen noch 2 Konzerte für Klavier, eins für Violine, oder das Konzert für Violine, Cello und Orchester, das Deutsche Requiem (neu war die Verwendung der deutschen Sprache, weil das Publikum die Komplexität und Tiefe völlig verstehen sollte), wie auch die zahlreichen Kammermusikstücke (Trios, Quartette, Quintette, Sonaten, Lieder etc.); in seinen letzten Jahren hat er insbesondere Orgelmusik geschrieben.
Er bewunderte Wagner sehr, war mit Schumann gut befreundet, aber auch mit dessen Frau, der Pianistin Clara Schumann, nach deren Tod er in kurzer Zeit auch starb. Die von einer manchmal bitteren Lieblichkeit erfüllte Melodik, aber auch die kräftige, dichte, tiefe Introspektion, die weitgreifenden Entfaltungen, die Motiv- und Themenverarbeitung durch Variationen, in denen sich polyphonische und sogar polyrhythmische Elemente wiederfinden, aber gleichermaßen auch ein Bezug zum altdeutschen Lied, gewährt seiner Musik eine unverwechselbare Nuance

Die Sonate für Klarinette und Klavier Nr. 2 Es-Dur, op. 120 - geschrieben 1894, in Ischl, für Richard Muhlfeld aus Meiningen. Die beiden Sonaten für Klarinette und Klavier op. 120 (vom Komponisten selbst für Bratsche und Klavier angepasst) können zu den tiefsinnigsten und vergeistigtsten Werke Brahms gezählt werden, aber, paradoxerweise, sind sie vielleicht auch seine optimistischsten Werke.
Die 2. Sonate ist Brahms´ letztes Instrumentalwerk und basiert auf den Grundzügen des alten deutschen Liebesliedes. In derselben Zeit hat er auch die letzten Lieder verfasst (op. 116-119), die Eduard Hanslik die “letzten Monologe” nannte, danach das Quintett op. 115, die Reihe Deutsche Volkslieder (im Jahre 1894 veröffentlicht). Nach Clara Schumanns Tode im Jahre 1896 komponierte er Vier ernste Gesänger op. 121. Den Endpunkt seines Schaffens bildeten die Chorwerke op. 122.


GABRIEL (URBAIN) FAURÉ (1845-1924) - Der Komponist und berühmte französische Professor (als Studenten hatte er u.a. Ravel, Enescu, Nadia Boulanger), fasziniert von Persönlichkeiten wie Liszt und Wagner, hat sich unter der Leitung von Camille Saint-Saens ausbilden lassen, war danach Organist in Paris und bezog im Jahre 1897 die Professur am Pariser Conservatoire (in der Klasse für Komposition, Nachfolger von Jules Massenet), an dem er später auch zum Direktor ernannt wurde (1905-1920). Sein Werk ist von Melancholie und den Zügen der Musik seiner Kindheit geprägt, so dass es sowohl feine Ton- und Modaldehnungen, als auch schnelle Modulationen hervorruft. Obwohl er auch ein wunderschönes Requiem komponierte, Stücke für das Theater, Messen, Kantaten, ist er insbesondere für die Vokalmusik berühmt (5 wichtige Reihen, unter denen La bonne chanson op 61 weiterhin am öftesten gespielt wird), aber auch für die Kammermusik in der sich diese charakteristischen Züge wiederfinden – zwei Klavierquintette (op. 89 in d-Moll im Jahre 1895 und op. 115 in c-Moll im Jahre 1921), ein Streichquartett, ein Trio, einige Sonaten und Klavierwerke. Er hat nicht viel komponiert, aber seine Werke zeichnen sich durch Eleganz und Feinheit aus, durch das Gleichgewicht der Form und des Aufbaus, durch eine gewisse Introspektion, welche Gemütsausbrüche und grandiose Entfaltungen vermeidet. Zu seinem 70. Jahrestag (1922) hat ihm einer seiner bekanntesten Studenten, George Enescu, eine Klavierwerk nach dem Namen « Fauré » (Fa-La-Sol-Re-Mi) gewidmet, in dem sich das Motiv 12 Mal wiederholte, aber in ständig wechselnden Harmonien, die einen sehr frischen Klang erzielten. Dieses Motiv wurde von der Zeitschrift, die auch andere Schüler mit solchen Miniaturen beauftragte, u.a. Ravel oder Florent Schmidt, vorgegeben. Das Klavierquartett Nr. 1 c-Moll, op. 15 - komponiert in der Zeitspanne 1876-1879, aber erst 1883 vollendet, entspricht den Grundzügen des Schaffens dieses Komponisten, der ständig auf Details achtete und jede Phrase minuziös ausarbeitete, aber fast immer den charakteristischen intimen Ton behielt. Das Stück folgt den klassischen Koordinaten, wobei sich die Ernsthaftigkeit in der Rigorosität und Logik des Aufbaus wiederfindet, aber die Ausstrahlung zeugt von der außergewöhnlichen Sensibilität des Musikers. Klavierquintett Nr.1 d-Moll, op. 89 - Das Quintett wurde zwischen 1890 und 1894 komponiert, in einer Zeit als der Komponist Inspektor der französischen Musikschulen war, und zeigt die Konsequenz mit der er das Behalten einiger Bezugspunkte als eine Konstanz seines Werkes verfolgt hat. Darüber hinaus hat er die klare Form, die melodische Linie, das Vermeiden der prägnanten Kontraste verfolgt, wobei sich die selbe Raffiniertheit zeigt, sowohl in der Stimmung, als auch hinsichtlich der Klangfarbe; die Beziehung zwischen den Streichinstrumenten und dem Klavier ist für den Zuhörer besonders interessant und attraktiv.